KONSUMENT.AT - Wirtschaftsbegriffe: Zinseszins - Lohn- und Nichtlohneinkünfte

Wirtschaftsbegriffe: Zinseszins

Kleine Zahlen mit großer  Wirkung

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KONSUMENT 9/2016 veröffentlicht: 25.08.2016

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Lohn- und Nichtlohneinkünfte

Dieses Volkseinkommen kann neben anderen Unterteilungen zum Beispiel unterschieden werden in Einkommen durch Arbeit (also Löhne und Gehälter) – Waren werden hergestellt oder veredelt bzw. Dienstleistungen werden ­erstellt, und andererseits in Renditen für Kapitaleigner sowie Unter­nehmer­gewinne, die auf Basis von Kapital­einsatz (für Maschinen, Anlagen, Kreditvergabe etc.) erzielt werden. Gemeinhin spricht man dabei von Lohneinkünften und Nichtlohn­einkünften. Geht man von ­dieser verein­fachten Zusammensetzung des nationalen Einkommens aus, so ergeben sich daraus bestimmte Konsequenzen:

Renditeerwartungen werden zuerst erfüllt

Bei einem gleichbleibenden Volkseinkommen und bei gleicher Rendite des Kapitals bleibt ein geringerer Teil für die Lohnein­künfte ­übrig, da üblicherweise zuerst die Nichtlohneinkünfte bedient, also die Renditeerwartungen erfüllt werden.

Löhne wachsen mit Volkseinkommen

Um diese und die Unternehmergewinne auf gleichem Niveau zu halten, müsste somit bei den Löhnen gekürzt werden – es sei denn, das Volkseinkommen ist angewachsen, und zwar in größerem Ausmaß als der Zinseszinseffekt des Kapitals, denn nur dann ist Spielraum für Lohnerhöhungen gegeben. Die Grafik im Kapitel "Hohe Zinsen - niedrige Löhne" zeigt auf, wie sich die Verteilung des Volksein­kommens bei niedrigen oder hohen Zins- bzw. Rendite­erwartungen entwickelt.

Sinkende Lohnquote ...

Bei Vergleichen dieser Art ist natürlich zu berücksichtigen, dass Vereinfachungen ­erforderlich sind. Die Realität liegt wohl irgend­wo zwischen den beiden Beispiel­szenarien. Tatsache ist aber, dass seit drei Jahrzehnten die Unternehmens- und Ver­mögenseinkommen fast durchgehend jedes Jahr stärker angestiegen sind als die Ein­kommen aus Arbeit. Das belegt etwa die sogenannte (bereinigte) Lohnquote.

... von 75 auf 70 Prozent

Sie gibt an, wie viel vom Kuchen des gesamten Volkseinkommens auf die Arbeitseinkommen (im Gegensatz zu den Vermögens- und Unternehmenseinkommen – oder anders ausgedrückt: Kapital­renditen und Unter­nehmensgewinnen) entfällt, und dient somit als Indikator für die Einkommensverteilung in Österreich. Laut dem alle zwei Jahre veröffentlichten Sozial­bericht des Sozialminis­teriums ver­ringerte sich die (bereinigte) Lohnquote von 75 Prozent im Jahr 1988 auf rund 70 Prozent im Jahr 2013.

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