Superfood

Von wegen super

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KONSUMENT 7/2016 veröffentlicht: 23.06.2016

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Vor allem Pflanzensamen, exotische Früchte und Algen werden derzeit intensiv als Superfood beworben. Was können diese Lebensmittel, außer viel Geld kosten?

Für den Begriff Superfood gibt es keinerlei rechtlich verbindliche Definition. In den USA führen momentan Heidelbeeren, Sardinen, Spinat, Pistazien, dunkle Schokolade, rote Paprika und Bohnen die Hitliste an. Bei uns werden vor allem Chia, Goji- und Açaí-Beeren in Naturkost- und Reformläden, in Online-Shops und über Direktvertrieb verkauft. Und selbst Supermärkte preisen manche Waren mittlerweile als Superfood an. Was steckt hinter diesem Boom?

Chiasamen

Chia (Salvia hispanica L.) ist eine einjährige krautige Pflanze aus Mexiko. Ihre Samen können roh oder getrocknet gegessen werden und finden sich mittlerweile als Zutat in zahlreichen Lebensmitteln (z.B. Brot, Joghurt, Smoothies). Aus den Samen wird zudem Öl hergestellt.

Chiasamen sind aufgrund ihres hohen Gehalts an Ballaststoffen, Eiweiß und Mineralstoffen anderen Lebensmitteln angeblich überlegen. Sie sollen obendrein die Verdauung fördern, den Blutzucker regulieren sowie Gelenkschmerzen und Sodbrennen lindern. Für Chiaprodukte gibt es derzeit keine von der EU genehmigten gesundheitsbezogenen Werbeaussagen. Die Samen dürfen einzig und allein mit einem Hinweis auf ihren hohen Ballaststoffgehalt beworben werden.

Laut europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sollten pro Tag nicht mehr als 15 Gramm Chiasamen verzehrt werden. Seit 2014 ist kalt gepresstes Chiaöl als Zutat in pflanzlichen Ölen und Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) erlaubt. Hier wurden ebenfalls Mengenbeschränkungen festgelegt.

Wechselwirkungen mit Blutverdünnern

Achtung: Chiasamen können zu Wechselwirkungen mit blutverdünnenden Arzneien führen. Wer solche Medikamente einnimmt, sollte besser auf Chiasamen verzichten. Vorsicht ist auch geboten bei der Einnahme von Mitteln gegen zu hohen Blutdruck. Eine Rücksprache mit Arzt oder Apotheker ist hier ratsam.

Zu den derzeit gehypten Chiasamen gibt es eine Alternative, nämlich den guten alten Leinsamen. Er liefert in etwa gleich viel Eiweiß, Kalzium, Magnesium, Zink und Omega-3-Fettsäuren. Zudem ist er besser erforscht und wesentlich billiger: Leinsamen kostet zwischen 3 und 19 Euro pro Kilogramm. Für Chiasamen werden derzeit zwischen 9 und 57 Euro pro Kilogramm verlangt.

Goji-Beeren

Goji-Beeren (Bocksdornbeeren) sind bei uns vor allem als Importware aus China erhältlich. Die getrockneten Beeren haben einen recht hohen Vitamin-C-Gehalt, sind aber, so wie andere Trockenfrüchte relativ kalorienreich. Sie werden als Anti-Aging-Mittel angepriesen und sollen u.a. das Herz-Kreislauf-System unterstützen sowie das Immunsystem stärken. Tatsächlich wurde aber bislang keine einzige bei der EFSA beantragte gesundheitsbezogene Aussage genehmigt, weil kein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Behauptungen und dem Konsum von Goji-Beeren festgestellt werden konnte.

Wechselwirkungen mit Gerinnungshemmern

Achtung: Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat Ende März 2013 eine Warnung über gefährliche Wechselwirkungen mit bestimmten blutverdünnenden (gerinnungshemmenden) Medikamenten (Vitamin-K-Antagonisten) veröffentlicht. Goji-Beeren scheinen den Abbau dieser Medikamente im Körper zu blockieren, sodass es zu einer gefährlichen Wirkstoffanreicherung und verstärkter Blutungsneigung kommt. Patienten, die diese Medikamente einnehmen, sollten unbedingt auf Goji-Beeren in jeglicher Form (getrocknete Früchte, Saft, Marmelade, Nahrungsergänzungsmittel) verzichten.

Getrocknete Goji-Beeren kosten zwischen 30 und 85 Euro pro Kilogramm. Goji-Beerensaft ist um 38 bis 47 Euro pro Liter erhältlich. Wer einen Garten hat, kann sich freuen: Bocksdornsträucher gedeihen auch bei uns gut.

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