Kontoauszüge: Zugang muss gratis sein

Datenschutz-Verordnung

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KONSUMENT 9/2018 veröffentlicht: 18.07.2018

Inhalt

Raiffeisenbank darf keine Gebühr für die Herausgabe zurückliegender Kontodaten verlangen.

Die heimische Datenschutzbehörde hat eine erste Entscheidung im Zuge der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) getroffen. Demnach darf die Raiffeisenbank Wien/Niederösterreich nicht mehr wie bisher 30 Euro pro Jahr für die Einsichtnahme auf alte Kontoauszüge verlangen.

Beschwerde bei Datenschutzbehörde

Der Bescheid geht zurück auf einen konkreten Fall, bei dem ein Kontoinhaber Nachweise für Überweisungen einsehen wollte, die bereits fünf Jahre zurücklagen und nicht mehr im Raiffeisen-Finanzportal Elba angezeigt wurden. Ihm wurde eine Gebühr von 30 Euro verrechnet. Daraufhin stellte er ein Auskunftsbegehren, das die Bank nicht beantwortete. Dann beschwerte er sich bei der Datenschutzbehörde.

Auskunftsrecht nicht erfüllt

Die hat nach einer Anhörung beider Parteien entschieden, dass das Auskunftsrecht in diesem Falle nicht erfüllt wurde. Zudem handle es sich beim Verlangen der Auszüge nicht um einen "exzessiven" Fall, bei dem der Verantwortliche die Möglichkeit habe, entweder die Herausgabe zu verweigern oder ein Entgelt zu verlangen.

14-Tage-Frist und kostenlose Auskunft

Künftig muss die Bank die gewünschten Kontoauszüge innerhalb einer Frist von zwei Wochen aushändigen und kostenlos Auskunft erteilen, wenn von diesem Recht Gebrauch gemacht wird. Die Entscheidung gilt in der EU jedenfalls nach dem 25. Mai 2018, bei anhängigen Fällen gilt nationales Recht.

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Kommentare

  • Schlamperei/Extra-Gebühr
    von REDAKTION am 04.10.2018 um 15:45

    Schlamperei ist eher eine moralische Kategorie, die war nicht Gegenstand des Verfahrens. Kunden zahlen eine Kontoführungsgebühr; deckt sie diese Leistung oder darf die Bank dafür zusätzlich Geld verlangen? Und: Hält sich die Bank an die Datenschutzgrundverordnung? Die Behörde hat entschieden: Diese Mehrarbeit ist ohne Zusatz-Gebühr zu erbringen. Die Frage was Konsumenten von der Eigenarbeit für Unternehmen halten lesen Sie hier: https://www.konsument.at/schattenarbeit052016

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Zahlung bei Aushebung von Belegen
    von Ablinger_Oliver am 30.09.2018 um 19:51
    Grundsätzlich finde ich es in Ordnung wenn die Bank einen Beitrag für solch "extra" Arbeit einhebt.
    Nur oft verlangte Wiuchergebühren = Frechheit,vor allem da durch Online-Banking/ Automaten usw. schon soviel Arbeit auf die Kunden abgewälzt wurde.
    Und in den Kontoführungsgebühren wurde diese "Mehrarbeit" die praktischer Weise nun der Kunde erledigt nicht berücksichtigt sondern diese wird brav jährlich angepasst.
  • Warum die Kosten für Schlamperei alle tragen?
    von Reg1na am 27.09.2018 um 20:29
    Die Aushebung von 5 Jahre alten Kontoauszügen bedeutet für die Bank zusätzliche Arbeit. Wenn sie die Kosten dafür nicht verrechnen darf, zahlen das im Endeffekt alle Bankkunden - auch die, die ihre Auszüge selber ordentlich aufbewahren. Ist eigentlich nicht einzusehen! Das ist der gleiche Schwachsinn wie das Verbot der Zahlscheingebühr. Wenn man selbst einen Einzugsauftrag zulässt, zahlt man trotzdem den manuellen Aufwand z.B. bei Versicherungen für den Prozentsatz Kunden mit, die unbedingt mit dem Zahlschein überweisen wollen. Seh ich genauso wenig ein, das ist absolut nicht Konsumenten-freundlich.
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