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Digitaler Nachlass, Posttarife, Paketdienste ...

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KONSUMENT 1/2019 veröffentlicht: 20.12.2018

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Beinharter Preiskampf

Ich möchte als ehemals aktiver Paketzusteller der Post AG zu dem Thema meine Meinung abgeben. Ich begann meine Tätigkeit noch im „echten“ Staatsbetrieb der Österreichischen Post- und Telegrafenverwaltung in den 70er Jahren. Nach kurzer Zeit wurde ich auf eigenen Wunsch als Paketzusteller eingeteilt und übte diese Tätigkeit über dreißig Jahre lang bis zu meiner Pensionierung aus.

Vielleicht wurde gemütlicher gearbeitet in früheren Jahren, es wurde jedoch anders, nachdem die Österreichische Post 1999 in eine AG umgewandelt wurde. Anders insofern, als dass man bei Mitarbeitergesprächen plötzlich Begriffe wie Kundenorientiertheit, Freundlichkeit, Zustellqualität mit erwünschten niedrig zu haltenden Benachrichtigungsquoten hörte und das auch sukzessive eingefordert wurde. Verbunden damit ein Prämien-(Zulagen-) System, das keinen Vergleich zu scheuen braucht und nach wie vor bei Mitarbeitern, die im Beamtenstand sind, Gültigkeit hat.

Dies änderte sich, als mit Herbst 2009 bei Neueinstellungen bei der Post AG der Kollektivvertrag des Gütertransportgewerbes zur Anwendung kam und damit ein spürbarer Unterschied zu den Bezügen bei den Beamten sichtbar wurde. Ich hatte wie viele andere Kollegen auch einen fixen Zustellbezirk, der sich lediglich dann ausweitete, wenn ein Kollege aus dem Nachbarbezirk erkrankt war oder sich im Urlaub befand und „mitbesorgt“ werden musste. Diese Mehrleistung wurde in Überstunden im Folgemonat immer korrekt abgegolten.

Ich sah meine Arbeit immer so, dass ich den Kunden – ungeachtet ob Geschäfts- oder Privatkunde – die Ware brachte, die sie brauchten, erwarteten und über die sie sich nicht selten auch freuten. Das heißt, ich wusste von der Wertschätzung der Kunden, die ich oft erlebt habe und die sich auch im täglichen Trinkgeld ausdrückte, das ich immer als freiwillige und nie selbstverständliche Geste und Anerkennung des/der Kunden verstand.

Die Situation seit langem ist, dass die Paketzustellung – auch für die Post AG – ein beinharter Preiskampf wurde, der zweifellos am Rücken der Zusteller „auf den letzten Metern“ mit Dumpingpreisen ausgetragen wird. Wenn man hinter die Kulissen schaut – gerade bei den Diensten DPD, GLS usw. –, erkennt man, dass den Druck, zwei-, dreihundert Pakete über weitere Distanzen täglich zuzustellen kaum ein Fahrer bei auffällig niedrigem Lohn oder Umsatz auf Dauer durchhält und er aufgibt.

Hier wäre und ist anzusetzen, nur muss man auch wissen, dass der Fahrer nicht selten der Ein-Mann-(Sub-)Unternehmer ist, der von den Paketdiensten abhängig und vertraglich gebunden ist, und dass große Stückzahlen schnell und „irgendwie“ zugestellt (oder auch nicht, siehe Zustellqualität) werden müssen, um einen halbwegs für ihn vertretbaren Verdienst zu erreichen. Es ist und bleibt vermutlich ein gordischer Knoten …

Cattani B. T.
Absam