Wirtschaftsbegriffe: Wirtschaftswachstum

Am Ende der Spirale?

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KONSUMENT 9/2017 veröffentlicht: 31.08.2017

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Stetiges Wirtschaftswachstum hat positive Effekte, ist aber in manchen Bereichen überbewertet und stößt zunehmend an seine Grenzen.

Wachstum ist gut. Was wächst, das gedeiht, und das galt bislang unhinterfragt auch für die Wirtschaft. Ob und um wie viel die Wertschöpfung einer Volkswirtschaft gewachsen ist, wird meist anhand des Bruttoinlands­produkts (BIP) erhoben. Was darunter genau zu verstehen ist und was alles in diese wirtschaftliche Kennzahl einfließt, haben wir bereits in  Wirtschaftsbegriffe: Bruttoinlandsprodukt 7/2017 beschrieben.

Damit von einem Wachstum gesprochen werden kann, muss das BIP logischerweise höher sein als zu Beginn des Vergleichszeitraums. Beispiel: 2014 lag das BIP in Österreich bei rund 330 Milliarden Euro, 2015 waren es 339 Milliarden Euro (gerundet). Das Wirtschaftswachstum in diesem Zeitraum betrug demnach 2,9 Prozent. Das ist allerdings erst das nominelle Wachstum, das noch um die Inflation bereinigt werden muss, die im untersuchten Zeitraum im betreffenden Land herrschte. Wird diese nicht berücksichtigt, würde sich ein verzerrtes Bild vom tatsächlichen Wachstum ergeben (siehe Grafik unten).

Wohlstand und Beschäftigung

Die Wirtschaftsdoktrin vom permanenten Wachstum hat weiten Bevölkerungsteilen der westlichen Welt im Lauf der vergangenen 60 Jahre ein beispielloses Maß an Wohlstand ermöglicht. Und vieles spricht auf den ersten Blick dafür, diesen erfolgreichen Weg fortzusetzen, denn Stillstand, so haben wir es jahrzehntelang gelernt, bedeutet Rückschritt.

Zu den gewichtigsten Argumenten für Wachstum zählt, dass es das Einkommen und somit den Wohlstand erhöht, denn soll der Konsum pro Einwohner wachsen oder bei steigender Bevölkerungszahl zumindest konstant bleiben, muss mehr produziert werden. Da die Arbeitsproduktivität aufgrund des technologischen Fortschritts ständig steigt, muss auch deshalb die Produktionsmenge immer weiter zunehmen, da sonst Beschäftigte in den Betrieben gekündigt werden müssten und die Arbeitslosenzahlen steigen würden.

Armut verringert, Staatsschulden finanziert

Des Weiteren wird argumentiert, dass Wachstum Verteilungskonflikte entschärfe und Armut verringere, denn selbst wenn die unteren Einkommensschichten nicht so stark von dem größeren Kuchen profitieren würden wie die oberen, so würden dennoch mehr Krümel für sie abfallen, als wenn der Kuchen insgesamt schrumpfte.

Und schließlich wird als weiteres Argument ins Treffen geführt, dass ein reales BIP-Wachstum wegen des progressiven Steuersystems zu überproportional steigenden Steuereinnahmen führe und dies dazu beitrage, die stetig wachsenden Ausgaben des Budgets zu finanzieren und die Last der Staatsschulden zu verringern.

Grafik: Reales Wirtschaftswachstum in Österreich

Infografik & Montage: Caroline Müllner Illustration: PSboom, Sarawut St / Shutterstock.com

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