Elfenbein

Jagd nach dem weißen Gold

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KONSUMENT 9/2017 veröffentlicht: 31.08.2017

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Illegaler Elfenbeinhandel und Wilderei haben die Elefantenbestände in Afrika drastisch reduziert. Zahlreiche Organisationen setzen sich für den Schutz von Elefanten ein.

Es war vor fünf Jahren, als Andrea Crosta auf einer Reise durch Kenia ein totes Elefantenbaby sah – abgeschlachtet von Wilderern. Der Italiener, der bereits zahlreiche Naturschutzprojekte betreut und als Sicherheitsberater gearbeitet hatte, gründete die Elephant Action League (EAL), um illegalen ­Elfenbeinhändlern das Handwerk zu legen.

Schwarzhandel blüht

Offiziell ist der internationale Handel mit ­Elfenbein seit 1989 verboten, doch der Schwarzhandel blüht. Wissenschaftler an der Columbia University in New York fanden kürzlich heraus, dass der Großteil des Elfenbeins auf internationalen Schwarzmärkten von frisch getöteten Tieren stammt. Sie hatten rund 230 Elefantenstoßzähne untersucht, die zwischen 2002 und 2014 beschlagnahmt worden waren. Mehr als 90 Prozent davon stammten von Elefanten, die in den drei Jahren zuvor getötet worden waren.

Armut und Korruption

Laut WWF sind die Elefantenbestände Afrikas seit 2006 um mehr als 110.000 Tiere geschrumpft, vor allem aufgrund von Wilderei. Organisationen wie die EAL haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Elfenbeinhändlern das Handwerk zu legen. "Wir nehmen ­Undercover Kontakt mit den Zwischen­händlern auf, die oft in großem Stil agieren", erklärt Andrea Crosta. Das Hauptproblem seien korrupte Regierungen und Politiker ­sowie mangelnde Gesetze in Zentralafrika.

"Korruption ist in vielen afrikanischen Ländern Teil des Systems", so der Aktivist. Um gegenzusteuern, gründete Crosta zudem die Whistleblower-Plattform WildLeaks, die ano­nymen Informationen zum Wildtierhandel nachgeht. Und die Wilderer selbst? Viele leben in Armut, sind Analphabeten mit großen Familien.

Ausgerottet oder besonders gefährdet

"Wie kann man diese Leute verurteilen?", meint Crosta. "Sie bekommen für einen toten Elefanten eine Geldsumme, die einem Jahreseinkommen entspricht." In Ländern wie Burundi, Gambia oder Maure­tanien sind Elefanten bereits ausgerottet, weltweit stehen sie auf der Roten Liste besonders ­gefährdeter Tierarten.

Es gibt aber auch Gegenbeispiele: "In Botswana werden Wilderer und Elfenbeinhändler hart bestraft, der Präsident steht hinter dem Verbot", weiß Crosta. Das Land ist von einem florierenden Tourismus in der gehobenen Preisklasse geprägt, die Wirtschaft wächst.

In Nationalparks gut geschützt

Auch Mosambik hat langjährige Haftstrafen für Wilderer eingeführt; in Kenia übernimmt der Kenya Wildlife Service den Schutz von Wildtieren. "Grundsätzlich werden in den großen Nationalparks Elefanten gut geschützt, auch wenn es hier immer wieder zu Fällen von Wilderei kommt", weiß Georg Scattolin vom WWF Österreich. Die Tier­schutzorganisation unterstützt weltweit Maß­nahmen wie die Ausbildung von Rangern in afrikanischen Ländern. "Wichtig ist es auch, Mensch-Tier-Konflikte zu entschärfen – ­etwa, wenn Elefanten die Felder von ­Bauern zertrampeln."

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