KONSUMENT.AT - Lebensmittelkonsum: Auswirkungen - So wächst unser ökologischer Fußabdruck

Lebensmittelkonsum: Auswirkungen

Schaler Beigeschmack?

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KONSUMENT 8/2021 veröffentlicht: 22.07.2021

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Kaffee und Schokocreme am Morgen, ein Schnitzel zu Mittag und abends Sushi – lukullische Genüsse, die aber auch einen schalen Beigeschmack haben.

Die Österreicher lieben ihre kulinarischen Spezialitäten: Das berühmte Schnitzel steht in jedem Wirtshaus auf der Speisekarte, die Bundeshauptstadt ist bekannt für ihre ­Kaffeehäuser. Weniger bekannt: Mit jedem Bissen Fleisch, mit jedem Schluck Kaffee vergrößern wir unseren ökologischen Fußabdruck. Welche Auswirkungen unser Lebens­mittelkonsum hat, versuchen wir wie folgt anhand von einigen plakativen Beispielen zu veranschaulichen.

Schnitzel: Grenzenlose Sojaimporte

Der Österreicher und sein Schnitzel – eine Liebesbeziehung. Doch gerade das Schweinsschnitzel ist mit Vorsicht zu ge­nießen: In der konventionellen Tierhaltung ist es üblich geworden, Soja als Futtermittel einzusetzen. Laut einer von den Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Mutter Erde in Auftrag gegebenen Studie werden von den importierten Eiweißfuttermitteln inklusive Soja rund zwei Drittel im Schweinesektor eingesetzt.

Nur sieben Prozent des in Österreich pro Jahr benötigten Sojas stammen aus europäischer Produktion. Dieses Soja wird hauptsächlich für die Produktion von Getränken, Tofu oder Aufstrichen verwendet.

Gentechnik und Pestizide

Die restlichen 93 Prozent werden aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt importiert und fast ausschließlich für Tierfutter verwendet; sie sind laut AGES größtenteils gentechnisch verändert.

Das meiste Soja, nämlich rund 25 Prozent, importiert Österreich aus Brasilien. Für den Anbau werden dort nicht nur Regenwälder abgeholzt, auch die Artenvielfalt ist gefährdet.

"In Brasilien ist besonders die Region Cerrado, die zu den artenreichsten Savannen weltweit zählt, durch den Sojaanbau betroffen", weiß Studienautor Martin Schlatzer. Ein weiteres Problem sei der Einsatz von zum Teil verbotenen Pestiziden wie dem äußerst giftigen Paraquat, das in der EU seit 2007 verboten ist.

In Österreich liegt der Fleischverbrauch pro Person und Jahr bei 63 kg (AMA, 2020). Viel zu viel – laut österreichischen Ernährungsempfehlungen sollen pro Woche ­maximal 300 bis 450 Gramm Fleisch und Wurst (das entspricht zwei bis drei Portionen) gegessen werden. Rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm) und Wurst sollten nur ­selten auf dem Speiseplan stehen.

"Der hohe Fleischkonsum zählt zu den größten Treibern der Tropenwaldabholzung", so Schlatzer. Laut WWF verursacht die Herstellung von einem Kilogramm Schweinefleisch rund 7 kg CO2-Äquivalente und verbraucht rund 6.000 Liter Wasser.

Besser Bio

Eine Alternative ist Schweinefleisch aus biologischer Landwirtschaft, da hier auf Sojafuttermittel aus Brasilien und Argen­tinien (weitgehend) verzichtet wird. "Bei Bio-Austria-Betrieben kommen nur Futtermittel aus Österreich zum Einsatz, die ausnahmslos bis zum Bio-Produzenten rückverfolgbar sind", versichert ein Sprecher von Bio-Austria. Gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel sind in der Bio-Landwirtschaft verboten.

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