Datenschutz: Facebook

Surfverhalten genau erforscht

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KONSUMENT 2/2015 veröffentlicht: 29.01.2015

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Facebook hat sich dank unserer Daten zu einer der größten Werbemaschinen weltweit entwickelt. Seit Anfang des Jahres spioniert es uns noch gründlicher aus.

Außerdem in unserer Datenschutzserie erschienen:


Unglaubliche 1,3 Milliarden Menschen nutzen die Social-Media-Plattform Facebook. In Österreich sind es laut statista.com mit 3,4 Millionen Usern rund 40 Prozent der Bevölkerung. Im November 2014 klärte Facebook seine User über geänderte Geschäftsbedingungen auf.

Neue Daten- und Cookie-Richtlinie

"Durch die Nutzung unserer Dienste nach dem 1. Januar 2015 stimmst du unseren aktualisierten Bedingungen sowie unserer aktualisierten Datenrichtlinie und Cookie-Richtlinie zu", stand in der Benachrichtigung geschrieben. Heißt so viel wie: Jeder Facebook-User, der sich im neuen Jahr schon einmal eingeloggt hat, ist mit den neuen Nutzungsbedingungen automatisch einverstanden.

Der Text, auf den verwiesen wird, ist lang und kompliziert, und das, obwohl sich das Unternehmen bei der Neufassung um mehr Transparenz und eine verständliche Sprache bemüht hat. Einige Neuerungen werden vorgestellt. Die gute Nachricht dabei ist: User bekommen ein wenig mehr Kontrolle über ihre Daten. Die schlechte: Das Surfverhalten wird noch genauer erforscht.

Standortdaten mit Werbeanzeigen verknüpft

Neu ist, dass die Standortdaten der Nutzer mit denen ihrer Freunde und mit Werbeanzeigen verknüpft werden. Dadurch will Facebook seine Werbung noch zielgenauer auf den "Kunden" zuschneiden. Wenn dieser beispielsweise in der Wiener Innenstadt spazieren geht, dann schlägt ihm die Facebook-App ein Restaurant in der Nähe vor. Wer über einen Onlineshop eine Handtasche kauft, der bekommt eine Anzeige über ein Accessoire-Geschäft in der Gegend. Die Werbung bezieht sich noch stärker auf die unmittelbare Umgebung.

Außerdem werden den Usern mehr Neuigkeiten von denjenigen Freunden auf der Pinnwand gezeigt, die gerade in der Nähe sind. Nutzer können sich gegen diese Neuerung allerdings indirekt wehren, indem sie der Facebook-App auf dem Smartphone den GPS-Zugriff verweigern.

Surfverhalten auf anderen Websites ausgewertet

Weiters bezieht Facebook von nun an noch viel mehr Daten mit ein, wenn es darum geht, die passende Werbung für die Nutzer zu wählen. Bis jetzt entnahm das Netzwerk die Vorlieben seiner Mitglieder vor allem den Klicks auf den Like-Button. Seit diesem Jahr wertet das Unternehmen auch das Surfverhalten auf anderen Internetseiten und bei App-Anwendungen aus.

Noch mehr Auskundschaftung also, die Facebook seinen Usern mit einem Zuckerl schmackhaft machen will. Denn ihnen ist es nun auch möglich, Werbeanzeigen auf ihre Relevanz hin zu bewerten. Was auf den ersten Blick als entgegenkommende Geste wirkt, ist für Facebook selbst nur Mittel zum Zweck. Immerhin hat die Firma durch die Info, welche Werbung genehm ist und welche nicht, noch mehr wertvolle Daten zur Verfügung.

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Kommentare

  • Facebook ist mir bis dato nicht abgegangen
    von asbachuralt am 27.10.2015 um 17:41
    Hab mir zwar vor Jahren einen Account eingerichtet, allerdings unter einem Pseudonym - ausser der Mailadresse stimmt da gar nichts. Überrascht war ich, als bei einer kürzlich vorgenommenen Passwortänderung mein Standort aufschien, obwohl ich den niemals angegeben habe - kann wohl nur über die IP-Adresse erfolgt sein. So habe ich ein wenig recherchiert und herausgefunden, das man die Standortabfrage einiger Websites im jeweiligen Browser erst blockieren muß, beim IE beispielsweise durch Setzen eines Häkchens unter "Datenschutz" (Internetoptionen), beim Firefox unter "about:permissions", um die unerwünschte Standortabfrage zu verhindern.
  • Anzahl von Facebook-Konten gleich Personen?
    von TomStone am 19.02.2015 um 08:06
    Da dürfte es sich um einen gravierenden Fehler in den Messmethoden handeln. ERSTENS entspricht nicht jedes Konto auf Facebook einem Menschen. ZWEITENS ist es noch nicht so lange her, seitdem Meldungen nach unzähligen computergenerierten Profilen auf Facebook, um Traffic und Likes zu generieren, in den Medien herum geisterten. Und DRITTENS gilt auch hier: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst bearbeitet hast. - Mal ganz abgesehen davon, dass Facebook Zigmillionen Kunden nur eine Plattform zum Wichtigsein bietet, dort jeden noch so unwichtigen Sch**ß aufplustert, um unsere gelangweilten Technikfreaks zu umgarnen, wird auch jedem Unternehmen, jeder Region, jeder Institution usw. vorgegaukelt: Wer nicht auf Facebook gefunden wird, existiert nicht. Es wird Zeit für Facebook, die gewonnenen Daten rapide loszustossen, diese zu vermarkten. Denn die Phase des rasanten Wachstums ist bereits vorüber. Viele der Neu kunden sind User, die ihr altes virtuelles Leben abstoßen wollen oder einfach nur mit dem alten Telefon/Tablet/PC auch die Zugangsdaten verloren haben. Und zudem können über 80% der Weltbevölkerung auch ganz gut ohne Facebook (über)leben. Ist nicht der Begriff Social Life schon ein Oxymoron? Wer würde allen Ernstes gute Gespräche im Freundeskreis gegen offen über Internet publizierte Kurznachrichten tauschen? Es wird Zeit, umzudenken. Frei nach dem Motto: Lebst du schon, oder postet du noch?
Bild: VKI