KONSUMENT.AT - Lederschuhhersteller - Zusammenarbeit verweigert

Lederschuhhersteller

Blut ist im Schuh

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KONSUMENT 4/2012 veröffentlicht: 27.03.2012, aktualisiert: 26.04.2012

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Drei Viertel wenig engagiert

Das soll das Abschneiden der am weitesten fortgeschrittenen Unternehmen nicht schmälern: Timberland erfüllt die überprüfbaren Kriterien am besten und konnte sogar die Bestnote A erzielen (Kriterien zu 81 % erfüllt). Die US-Marke, die vor allem in der Hip-Hop-Szene beliebt ist, hebt sich damit sehr ­deutlich vom Feld der Mitbewerber ab – drei Viertel der Kandidaten haben nicht einmal 50 Prozent erreicht.

Kooperation verweigert

Mehr als die Hälfte der Markenfirmen hat ­eine Kooperation verweigert und keinen ­Fragebogen ausgefüllt. Darunter ausgerechnet auch Branchenprimus Timberland. Da das Unternehmen recht umfangreich über seine ökologischen und sozialen Aktivitäten berichtet (Nachhaltigkeitsreport, Homepage), konnte es dennoch positiv bewertet werden. Üblicherweise schneiden Verweigerer schlecht ab, weil auch auf anderem Weg ­keine Informationen über sie erhältlich sind.

Auch die am meisten fortgeschrittenen Hersteller sind nicht ohne Schwächen, es gibt mit Ausnahme von Clarks kein Unternehmen, das nicht in zumindest einem Teilbereich sehr schwach (Note E) abschneidet.

Zwangsarbeit: keine Bestimmungen

Was die Unternehmenspolitik anlangt, können andererseits auch viele Nachzügler mit guten Noten aufwarten. Scholl und Gabor verdienen für ihre Maßnahmen im Sozial­bereich die Note A. Wie generell die Sozial­politik noch am besten abgesichert ist. Wobei der Schwerpunkt bei Maßnahmen für die Sicherheit und Gesundheit der Arbeit­nehmer liegt. Nur sechs Unternehmen haben spezifische Bestimmungen gegen Kinder­arbeit in ihrem Verhaltenskodex vorgesehen, kein einziges geht explizit auf das Problem Zwangsarbeit oder Sklaverei ein.

Umweltpolitik verbesserungswürdig

Punkto Umweltpolitik haben fast alle Unternehmen Anforderungen zum Einsatz von ­Chemikalien definiert, bestimmte Substanzen dürfen nur eingeschränkt Verwendung finden. Auch auf Abfallvermeidung wird großer Wert gelegt. Eine grundsätzliche Beschäftigung mit nachhaltiger Produktion steht aber aus. Nur wenige Unternehmen haben bereits eine Lebenszyklus-Analyse durchgeführt, um die Materialien mit den geringsten negativen ­Auswirkungen auf die Umwelt herauszu­finden. Auch im Recycling wurden bestenfalls erste Schritte gesetzt. Zwar verwenden einige Unternehmen teilweise recycliertes Material in der Schuhproduktion, aber die Wiederver­wertung von Abfall aus der Produktion oder gar von gebrauchten Schuhen (dafür müsste es ein Sammelsystem geben) ist nirgends ­zufriedenstellend gelöst.

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Kommentare

  • Zum Thema Schächten
    von Morgenstern am 25.04.2012 um 17:08
    Ich war vor einiger Zeit mit einem Wanderschäfer unterwegs und habe dort das Schächten live erlebt. Es wurde dort nicht aus religiösen Motiven eingesetzt, sondern weil es die schmerzfreieste und sicherste Methode ist, um ein Tier zu schlachten. Die Schafe erleiden innerhalb von Sekunden einen Blutsturz, werden also ohnmächtig, da das Blut aus dem Hirn fließt. Natürlich gibt es auch unter den Schächtern "schwarze Schafe" und als Veganer verwende ich keinerlei Tierprodukte. Aber das Schächten an sich würde ich jederzeit dem Schlachten per Schlachtschußapparat vorziehen, denn dort werden sehr viele Tiere nicht sofort getötet und erleben Dinge wie das Aufhängen auf Haken inkl. dem Brechen der Knochen und Reißen der Sehnen unter dieser Last bei vollem Bewußtsein mit.
  • Schächten
    von sabsch70 am 09.04.2012 um 15:24
    Sehr geehrtes Team vom "Konsument". Gratulation zu obigem Artikel. Ein bißchen mehr Kritik hätte ich mir betreffend des Schächtens erwartet, d.h. "Moslems in Indien töten die Rinder", indem sie diese schächten, d.h. bei lebendigem Leib ausbluten lassen. Diese Schlachtpraxis gibt es auch bei uns (zur Produktion von "Halal"-Fleisch). Tierschutz hört bei mir bei - angeblich - religiösen Motiven nicht auf. Bitte mal um eine Untersuchung dieser Schlachtmethoden. Vielleicht gibt es irgendwann einmal sogar eine Kennzeichnung über besonders "schonende" Schlachtmethoden oder "garantiert nicht halal". Bei anderen Tieren (z.B. Thunfischen gibt es ja schon eine ähnliche Kennzeichnung [Delphin-schonender Fang]). Vielen Dank im Voraus für Ihr konsequentes Eintreten für den Tierschutz. Sabsi
  • Alternativen
    von MargotBelyus am 07.04.2012 um 15:48
    Schade, daß Sie - wie auch beim Kinderschuhetest - DIE österreichischen Schuhe Waldviertler nicht dabei hatten. Der Bericht ist gut, rüttelt auf, hinterläßt aber wiedermal zerknirschte Konsumenten mit wenig Möglichkeit zur Vermeidung.
  • danke, super test
    von powerplana am 03.04.2012 um 19:18
    bitte mehr infos wie diese, das finde ich interessanter als ob die digitalkamera xy sehr gut, gut oder durschnittlich ist
  • Wo sind die Waldviertler, Ganter, usw.
    von REDAKTION am 02.04.2012 um 17:46
    Die Untersuchung wurde im Rahmen einer Kooperation mehrerer europäischer Verbraucherorganisationen durchgeführt, nur große, international bekannte Marken wurden berücksichtigt. Leider können aus Kostengründen nicht alle, für den heimischen Markt interessanten Marken untersucht werden. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass kleinere Firmen, wie Waldviertler, im direkten Vergleich mit Konzernen unter ihrem Wert abschneiden würden, da sich kleinere Unternehmen in der Regel keine eigene CSR-Abteilung (zuständig für soziale Verantwortung in der Produktion und bei der Beschaffung von Vorprodukten) und eine ausführliche Information der Öffentlichkeit (auf der Homepage oder durch Nachhaltigkeitsreports) leisten könnten. Auch die Beantwortung des umfangreichen Fragebogens ist für kleinere Unternehmen sicher schwieriger zu bewerkstelligen als für einen Konzern. Ihr Konsument-Team