KONSUMENT.AT - Swing Kitchen: „Wir wollen die Welt verändern“ - Veganes Essen bedeutet keinen Verzicht

Swing Kitchen: „Wir wollen die Welt verändern“

Nachhaltiges Interview

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veröffentlicht: 02.08.2019

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Wir sprachen mit den Vegan-Burger-Vorreitern Irene und Charly Schillinger über Tierleid, grünes Unternehmertum und vegane Garnelen.

2015 eröffnete in der Wiener Schottenfeldgasse die erste „Swing Kitchen“. Inzwischen zählt die Burger-Kette von Irene und Charly Schillinger, in der nur veganes Fastfood gereicht wird, neun Standorte in Wien, Graz, Berlin und Bern. Die weitere Expansion soll sie bis nach England und in die USA führen – Wachstum ist integraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Aber nicht, um Geld zu scheffeln, sondern „um möglichst viel Tierleid zu vermeiden“, wie die Schillingers versichern.

KONSUMENT im Interview mit Charly und Irene Schilling. 2015 setzte das Ehepaar im Zentrum Wiens das Fast-Food-Konzept »Swing Kitchen« um. (Bild: Alexandra Konstantinoudi/V-Light Media e.U.)
Die vegane Burgerkette „Swing Kitchen“ wird von Irene Schillinger und ihrem Mann Charly geleitet. Gemeinsam wollen sie die Welt verändern.
(Bild: Alexandra Konstantinoudi/V-Light Media e.U.) 

Herr Schillinger, mit allem nötigen Respekt – und ein bissl Augenzwinkern: Sie sehen nicht unbedingt aus, wie man sich den typischen Veganer vorstellt. Alles nur ein Marketing-Schmäh? Sie essen eh Fleisch, stimmts?
Charly Schillinger: (lacht) Ich kann garantieren: Seit 1987 bin ich Vegetarier und seit ungefähr 20 Jahren lebe ich vegan. Meine Frau ebenfalls.  
Irene Schillinger: Vegetarisch sogar schon seit 35 Jahren.  

Worauf ich mit meiner frechen Frage hinauswollte: Veganes Essen muss keinen Verzicht bedeuten, richtig?
Charly: Nein, muss es nicht. Ich bin ja auch aus rein ethischen Gründen Veganer. Mir tun die Tiere leid. Bei mir sind es keine Gesundheitsgründe – das sieht man ja. Ich futter einfach wahnsinnig gerne. Und man muss als Veganer schon extrem viel essen, damit man so eine Figur behält. Das ist gar nicht so leicht. (lacht) Aber das vegane Essen hat einen angenehmen Nebeneffekt: Mein Vater war ähnlich konstituiert wie ich. Er ist schon mit 47 gestorben. All diese Zivilisationskrankheiten hatte er: Cholesterin, hohe Harnsäurewerte, das ganze Programm. Ich hab diese Probleme nicht. Obwohl ich die gleiche Menge an Kalorien zu mir nehme, lebe ich gesünder. Wenn man jeden Tag Burger essen würde, ist das dann freilich auch mit veganen Pattys (englisch für „Laberln“, Anm.) wie bei der US-Doku „Supersize me“. Aber wenn man sich ausgewogen ernährt, dann ist die vegane Ernährung immer die gescheitere Alternative.  

Für ein Familienunternehmen nehmen Sie sich ein durchaus ambitioniertes Wachstum vor. Überrascht vom Erfolg?
Irene
: Das schnelle Wachstum ist nichts, was uns so passiert ist. Das war von Anfang an geplant. Ein bisschen schneller ist es dann doch gegangen, als wir es vorhergesehen haben.  
Charly: Der Gedanke hinter der Swing Kitchen ist, möglichst viel Tierleid zu vermeiden. Deshalb sind wir bestrebt, möglichst viele Filialen zu eröffnen – die auch entsprechend gut laufen müssen. Das war und ist unser Ansatz.

Ihre Kundschaft sind mitnichten nur Bobos und Öko-Fundis. Man sieht auch Otto Normalverbraucher, Bauarbeiter, Polizisten. Hat sich der Gästemix in den vergangenen ein bis zwei Jahren gewandelt?
Irene: Vor viereinhalb Jahren, als wir aufgemacht haben, waren es doch eher noch die Bildungsbürger, die zu uns gekommen sind. Im sehr engen Altersspektrum von 25 bis Anfang 30. Und vor allem Frauen. Das hat sich stark geändert.  

Nachhaltigkeit ist im Swing-Kitchen-Konzept ein wichtiges Thema. Aber widersprechen sich Fastfood und Nachhaltigkeit nicht eigentlich?
Irene: Nein, aus meiner Sicht überhaupt nicht. Nachhaltigkeit und Schnelligkeit behindern sich nicht. Die nachhaltigste Form der Ernährung ist die vegane. Das hat sich keine Tierschutzorganisation ausgedacht, sondern diese Fakten liefert die FAO (Welternährungsorganisation, Anm.). Die tierhaltende Landwirtschaft ist global gesehen einer der größten Treibhausgas-Emittenten. Viel größer als z.B. der Verkehrssektor. Der Hebel, den man ansetzen kann, um seinen eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, ist also bei der Ernährung der größte. Darüber hinaus achten wir auf viele andere Dinge, z.B. die Verpackungsmaterialien, die Einrichtung, den Strom, den wir beziehen, die soziale Nachhaltigkeit, also die Einstellung zu und den Umgang mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern …  

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