Wasserverbrauch

Unstillbarer Durst

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KONSUMENT 6/2017 veröffentlicht: 24.05.2017

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Wir verbrauchen täglich rund 30-mal so viel Wasser, wie unser Wasserzähler anzeigt. Ursache sind vor allem die importierten Lebensmittel, die auch Österreich zu einem Wasserimportland machen. So trägt unser Konsumverhalten zum Wasserraubbau in Ländern mit ohnehin prekärer Wasserversorgung bei.

Auf allen Anbauflächen in Europa, Austra­lien und den USA wird Reis nach der tradi­tionellen Methode angebaut, das heißt, die Felder werden überflutet. Weltweit betrachtet liegt der Wasserbedarf für Reis, der zu etwa zwei Dritteln auf künstlich bewässerten Flächen kultiviert wird, bis zu fünfmal höher als der ebenfalls sehr wasserintensive Anbau von Mais und Weizen. Global nimmt der Reisanbau bereits 37 Prozent aller bewässerten Flächen weltweit ein und verbraucht 85 Prozent der Wassermengen, die zur Bewässerung eingesetzt werden.

115 Liter für ein Kilo Tomaten

In Spanien, einem von Trockenheit geprägten Land mit ungünstigen Wasserverhält­nissen, wird ein Großteil der Obst- und ­Gemüseprodukte für den europäischen Markt angebaut. Etwa drei Viertel des gesamten Wasserverbrauchs Spaniens verursacht die Agrarindustrie.

Fotos: Ilya Chalyuk, uslik1983 / Shutterstock.com

Verbrauch pro Kopf und Tag in Österreich: Jeder Haushalt verbraucht täglich 135 Liter Trinkwasser (direkt) – im Vergleich dazu beträgt der virtuelle Verbrauch 4.377 Liter täglich! Im symbolischen Wasserglasvergleich würde der direkte Verbrauch (linkes Glas) gerade den Boden bedecken. Quellen: BMLFUW, Davy Vanham

Grundwasserspeicher sinken immer weiter

Eine Analyse des Gemüseanbaus im süd­spanischen Andalusien durch den WWF zeigt, dass dort für ein Kilogramm Paradeiser im Durchschnitt 64 Liter Wasser benötigt werden. In Marokko sind es 98 Liter, in Süd­italien sogar 115 Liter. Und obwohl in den andalusischen Agrarbetrieben bereits moderne wassersparende Berieselungssysteme eingesetzt werden, sinken die Grundwasserspeicher jedes Jahr weiter ab – stellenweise sogar um bis zu zehn Meter pro Jahr. Anda­lusien gehört zu jenen Gebieten, welche die Auswirkungen des Wasserraubbaus schon jetzt zu spüren bekommen.

Weltweiter Wasserverbrauch steigt

Im 20. Jahrhundert ist die Bevölkerung der Erde um etwa das Dreifache, der Wasserverbrauch aber um das Sechsfache gestiegen. Studien der UNO zufolge wird sich der glo­bale Wasserverbrauch weiter erhöhen.

Der Wasserverbrauch in den privaten Haushalten ist geprägt vom globalen Wohlstandsgefälle und den klimatischen Bedingungen. In den ländlichen Regionen afrikanischer Trockengebiete stehen der Bevölkerung pro Person nur 20 Liter täglich zur Verfügung. In den USA liegt der Durchschnittsverbrauch pro Person und Tag bei 300 Litern, in der EU bei 150 Litern.

In Österreich beträgt der Pro-Kopf-Verbrauch 135 Liter. Zwar stagniert der durchschnittliche Trinkwasserverbrauch der privaten Haushalte in den meisten Indus­trieländern, so auch in Österreich, oder er ist sogar rückläufig – vor allem aufgrund ­moderner wassersparender Haushaltsgeräte und Sanitärinstallationen.

Wasserfresser: Kleidung, Fleisch, Importprodukte

Doch die vom Hauswasserzähler angezeigte verbrauchte Wassermenge ist nur ein Bruchteil des Wassers, das wir verbrauchen. Die tatsächliche Menge ist viel größer. Mit der Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte wie Baumwoll­erzeugnisse, Sojabohnen, Fleisch, Ölfrüchte, Gemüse, Obst, Kaffee und Zierpflanzen wird auch das für deren Erzeugung aufgewendete Wasser "virtuell" aus den Anbauregionen importiert und in den wohlhabenden Ländern konsumiert.

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