KONSUMENT.AT - Greenwashing - Beispiel: Mars

Greenwashing

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KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 31.01.2019

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Beispiel: Mars

Der Schokoladenhersteller hat kürzlich ein neues Nachhaltigkeitsprogramm vorgestellt: Cocoa for Generations soll die Interessen der Kleinfarmer in den Mittelpunkt stellen, Kinder und Wälder schützen und einen Weg zur Förderung von Kakao­farmern ebnen.

Nunu Kaller (Greenpeace):

"Wie viele andere Unternehmen im Schokolade-Bereich hat auch Mars sein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm, das klares Greenwashing betreibt. Anstatt unternehmensunabhängig kontrollierten und zertifizierten Kakao (Fairtrade, Rainforest, Bio) zu verwenden, und das am Produkt für die Konsumenten transparent zu machen, gibt es viel unternehmenseigenes „Blabla“, das zum Teil auf Zertifizierungen aufbaut aber auch darüber hinaus gehen soll.

Das Programm "Cocoa for Generations"soll bis 2025 100 Prozent des von Mars eingesetzten Kakaos verantwortungsvoll und rückverfolgbar machen. Wie genau, ist jedoch unklar. Einerseits sagt Mars, es wird die Niveaus von Fairtrade- und Rainforest-zertifiziertem Kakao beibehalten. Andererseits bleibt dadurch unklar, wie genau die 100% dann "verantwortungsvoll" und "rückverfolgbar" gemacht werden sollen.

Schon bis 2020 soll 100% des Kakaos von Mars extern zertifiziert sein, allerdings macht Mars hier keinen Unterschied zwischen Rainforest Alliance/UTZ und Fairtrade. Den Kleinbauern bringt Fairtrade durch Mindestpreis und Prämie deutlich mehr – also sollte Mars hier ein klares Commitment zu Fairtrade-Zertifizierung eingehen. NGOs wie Südwind und Global 2000 machen regelmäßige Label-Checks z.B. zu Schokolade. Dabei werden unternehmenseigene Nachhaltigkeitsinitiativen der Schokoladeanbieter zwar grundsätzlich begrüßt, aber sie sind für Konsumenten nicht am Produkt nachvollziehbar. Und sie stellen keinen Ersatz für unabhängige Zertifizierung dar.
Nähere Infos und Bewertung der Siegel im Südwind und Global 2000 Schoko-Check 2018 finden Sie hier: www.suedwind.at/fileadmin/user_upload/suedwind/X_Downloadliste/Schokolade_Check_2018.pdf"

Stefan Grasgruber-Kerl (Südwind):

"Dieses sogenannte Nachhaltigkeitsprogramm ist klares Greenwashing, da kein unternehmensunabhängig zertifizierter Kakao verwendet wird. In unserem ,Schokoladen-Check’ wurden unternehmenseigene Nachhaltigkeits-Initiativen nicht berücksichtigt, da sie auch für Konsumenten nicht am Produkt nachvollziehbar sind und keinen Ersatz für unabhängige Zertifizierung darstellen."

Raphael Fink (Umweltzeichen): 

"Wie Kaffee ist auch Kakao ein ökologisch und sozial herausforderndes Produkt: Maßnahmen, welche die lokalen Naturräume schützen, die lokale Wirtschaft stützen und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, sind zu begrüßen.

Mars ist einer der größten Lebensmittelkonzerne der Welt und in jüngerer Vergangenheit eher weniger mit dem Thema ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit aufgefallen – die Vorwürfe in jüngerer Vergangenheit reichten von Kinderarbeit bis hin zur Zerstörung des Regenwalds.

Insofern kann die vorliegende Kampagne auch als Reaktion verstanden werden. Fraglich, ob hier Vorschusslorbeeren angebracht sind.

Dennoch ist es gut, dass offenbar eine Trendwende eingeleitet wird, die sicherstellen soll, dass Arbeitsrechte eingehalten, Waldgebiete geschützt und fairere Einkommen sichergestellt werden. Im Rahmen einer derartigen Kampagne ist es jedoch auch wichtig, die lokalen Bauern nicht in Abhängigkeit des Konzerns zu bringen. Selbstermächtigung muss hier Vorrang haben.

Es ist ein erster Schritt. Klar ist aber auch, dass auch weiterhin bio-zertifizierte Fair Trade-Schokolade den konventionell erzeugten Produkten von Mars vorzuziehen ist."

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