KONSUMENT.AT - Greenwashing - Beispiel: Mars

Greenwashing

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KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 31.01.2019, aktualisiert: 12.03.2020

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Beispiel: Mars

Der Schokoladenhersteller hat kürzlich ein neues Nachhaltigkeitsprogramm vorgestellt: Cocoa for Generations soll die Interessen der Kleinfarmer in den Mittelpunkt stellen, Kinder und Wälder schützen und einen Weg zur Förderung von Kakao­farmern ebnen.

Nunu Kaller (Greenpeace):

"Wie viele andere Unternehmen im Schokolade-Bereich hat auch Mars sein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm, das klares Greenwashing betreibt. Anstatt unternehmensunabhängig kontrollierten und zertifizierten Kakao (Fairtrade, Rainforest, Bio) zu verwenden, und das am Produkt für die Konsumenten transparent zu machen, gibt es viel unternehmenseigenes „Blabla“, das zum Teil auf Zertifizierungen aufbaut aber auch darüber hinaus gehen soll.

Das Programm "Cocoa for Generations"soll bis 2025 100 Prozent des von Mars eingesetzten Kakaos verantwortungsvoll und rückverfolgbar machen. Wie genau, ist jedoch unklar. Einerseits sagt Mars, es wird die Niveaus von Fairtrade- und Rainforest-zertifiziertem Kakao beibehalten. Andererseits bleibt dadurch unklar, wie genau die 100% dann "verantwortungsvoll" und "rückverfolgbar" gemacht werden sollen.

Schon bis 2020 soll 100% des Kakaos von Mars extern zertifiziert sein, allerdings macht Mars hier keinen Unterschied zwischen Rainforest Alliance/UTZ und Fairtrade. Den Kleinbauern bringt Fairtrade durch Mindestpreis und Prämie deutlich mehr – also sollte Mars hier ein klares Commitment zu Fairtrade-Zertifizierung eingehen. NGOs wie Südwind und Global 2000 machen regelmäßige Label-Checks z.B. zu Schokolade. Dabei werden unternehmenseigene Nachhaltigkeitsinitiativen der Schokoladeanbieter zwar grundsätzlich begrüßt, aber sie sind für Konsumenten nicht am Produkt nachvollziehbar. Und sie stellen keinen Ersatz für unabhängige Zertifizierung dar.
Nähere Infos und Bewertung der Siegel im Südwind und Global 2000 Schoko-Check 2018 finden Sie hier: www.suedwind.at/fileadmin/user_upload/suedwind/X_Downloadliste/Schokolade_Check_2018.pdf"

Stefan Grasgruber-Kerl (Südwind):

"Dieses sogenannte Nachhaltigkeitsprogramm ist klares Greenwashing, da kein unternehmensunabhängig zertifizierter Kakao verwendet wird. In unserem ,Schokoladen-Check’ wurden unternehmenseigene Nachhaltigkeits-Initiativen nicht berücksichtigt, da sie auch für Konsumenten nicht am Produkt nachvollziehbar sind und keinen Ersatz für unabhängige Zertifizierung darstellen."

Raphael Fink (Umweltzeichen): 

"Wie Kaffee ist auch Kakao ein ökologisch und sozial herausforderndes Produkt: Maßnahmen, welche die lokalen Naturräume schützen, die lokale Wirtschaft stützen und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, sind zu begrüßen.

Mars ist einer der größten Lebensmittelkonzerne der Welt und in jüngerer Vergangenheit eher weniger mit dem Thema ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit aufgefallen – die Vorwürfe in jüngerer Vergangenheit reichten von Kinderarbeit bis hin zur Zerstörung des Regenwalds.

Insofern kann die vorliegende Kampagne auch als Reaktion verstanden werden. Fraglich, ob hier Vorschusslorbeeren angebracht sind.

Dennoch ist es gut, dass offenbar eine Trendwende eingeleitet wird, die sicherstellen soll, dass Arbeitsrechte eingehalten, Waldgebiete geschützt und fairere Einkommen sichergestellt werden. Im Rahmen einer derartigen Kampagne ist es jedoch auch wichtig, die lokalen Bauern nicht in Abhängigkeit des Konzerns zu bringen. Selbstermächtigung muss hier Vorrang haben.

Es ist ein erster Schritt. Klar ist aber auch, dass auch weiterhin bio-zertifizierte Fair Trade-Schokolade den konventionell erzeugten Produkten von Mars vorzuziehen ist."

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Kommentare

  • Bitte mehr Objektivität
    von RiSi am 11.10.2020 um 22:27
    Gleich zu Beginn des Newsletter, der mich mittels Link auf diese Seite gebracht hat, werden unter anderem "Erdöl-Konzerne, die mit Windkraft werben" als Beispiel für Greenwashing genannt. Natürlich kommt es auf den jeweiligen Fall an, aber ich frage mich, was daran generell negativ sein soll. Da wird seit langem (zu Recht) gefordert, dass sich solche Unternehmen verändern und in Richtung erneuerbare Energien wandeln sollen. Wenn sie es dann tun, wirft man es ihnen vor!? Dass eine Firma mit neuen Geschäftsfeldern auch wirbt, kann aus meiner Sicht nicht zum Vorwurf gemacht werden. Was wird denn erwartet? Dass über solche (Fort-)Schritte kein Wort verloren wird? Entscheidend ist, dass es nicht ein "Einzelfall" ist, sondern tatsächlich und konsequent die Weichen in Richtung CO2-freie Zukunft gelegt werden. Und da gibt es erfreulicherweise viele Unternehmen in der Erdöl- und Energiebranche, die diesen Weg eingeschlagen haben.

    Zweites Beispiel im erwähnten Newslettter sind "Fluglinien, die CO2-neutrale Flüge versprechen". Das wird mit sogenanntem "Offsetting" realisiert,also den Ausgleich der entstandenen Emissionen durch Investionen in Projekte, durch die eine entsprechende Kohlendioxideinsparung finanziert wird. Wenn das richtig gemacht wird (und namhafte Fluglinien arbeiten meiner Einschätzung nach mit seriösen Partnern zusammen), ist das allemal besser, als so eine Option nicht zu wählen. Noch besser wäre natürlich gar nicht zu fliegen, aber in vielen Fällen ist das Flugzeug wohl die einzige realistische Option um an ein Ziel zu gelangen (nicht jeder kann mit dem Segelschiff den Antlantik überqueren). Offsetting mit den richtigen (also sorgsam ausgewählten und umgesetzten) Projekten vermeidet übrigens nicht nur zusätzliche Treibhausgase, sondern bringen auch positive Effekte bei der Bekämpfung von Armut und anderen UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (durch Studien belegt).

    Ich würde mir eine differenziertere Betrachtung durch den VKI wünschen (z.B. durch Verweis auf das Thema in Heft 4/2020) und nicht solche Angebote pauschal als Greenwashing zu verurteilen.

    Beste Grüße
    (ein jahrzehntelanger und großteils zufriedener Abonnent)
  • wo ist der Expertentalk auf den ich mich gefreut habe?
    von sylphe9 am 11.10.2020 um 18:09
    Ich frage mich, warum im Newsletter Mail ("Umweltzeichen als Barriere gegen Greenwashing") und auch in der Einleitung hier vollmundig von einem Gespräch mit Experten geschrieben wird und es sich dann letztendlich doch nur um eine Ansammlung von Punkten nach einer nicht näher erklärten Organisation handelt.
    Ebenso fehlt die Heranführung des Laien an das Thema. Woher soll der Konsument nach diesem Artikel nun wissen was kein Greenwashing ist? Das Bsp mit den Plastikflaschen war ja sehr gut, aber es fehlt ein ebensolches für Firmen die ihre ökologischen Auswirkungen ernstnehmen. Z.B. Wenn eine kärtnerische Eistee produzierende österreichische Firma wie Makava auf Glasflaschen setzt und in Österreich produziert spricht man zurecht von ökolgisch (Glasflaschen und regional produziert).
    Ebenso ist die Auflistung der Punkte doch ein wenig zu wenig um jeden Konsumenten in dem Bereich wirklich auf einen guten Wissensstand zu bringen.

    Lieber VKI das könnt ihr Besser und das habt ihr schon so oft bewiesen, denn sonst seids ihr total spitze!
    Ich bitte also auch bei dem Thema Nachhaltigkeit um eure gewohnte Qualität.

    Hochachtungsvoll,
    eine langjährige Abonnentin