KONSUMENT.AT - Greenwashing - Beispiel: IKEA

Greenwashing

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KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 31.01.2019

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Beispiel: IKEA

"Wir setzen voll auf Baumwolle aus nachhaltigeren Quellen", verkündet Ikea auf seiner Website. "Seit dem 1. September 2015 stammt die gesamte Baumwolle für IKEA Produkte aus nachhaltigeren Quellen." 77 Prozent davon werden als "Better Cotton" bezeichnet.

Nunu Kaller (Greenpeace): "Die Better Cotton Initiative ist ein gutes Beispiel, wie man es nicht machen sollte. Die Industrie hat sich selbst ein Siegel geschaffen für ,bessere’ Baumwollproduktion. Besser als was? Die Ziele der BCI sind sehr industriefreundlich, das heißt, sie tun nicht weh, sie wirken sich nicht auf die Umsatzzahlen aus. Doch sie gehen nicht weit genug. Besser ist nicht gleich gut."

Stefan Grasgruber-Kerl (Südwind):

"Das von Ikea selbst gewählt Wording "nachhaltigere Baumwolle" zeigt schon, dass es sich klar um Greenwashing handelt und nicht um wirklich nachhaltige Baumwolle.

Zu 77% setzt Ikea dabei auf Baumwolle von der Better Cotton Initiative (BCI). Die restlichen Anteile sind 17% recycelt und 6% sind als „towards BCI“ angegeben.

BCI setzt zwar kleine Verbesserungen im konventionellen Baumwollanbau. Es handelt sich aber nicht um Bio-Landbau und damit bleiben die Probleme des massiven Pestizid- und Wassereinsatzes bestehen. Genmanipuliertes Saatgut ist bei BCI erlaubt. Es gibt keine Preisaufschläge für BCI-Baumwolle für die Bauern. Die Einhaltung der Standards wird durch die Produzenten selbst evaluiert, es gibt nur stichprobenartige externe Kontrollen.

Auch menschenunwürdige Arbeitsbedingungen werden von BCI nicht angegangen oder kontrolliert.
Die Auszeichnung von 6% als "towards BCI" bedeutet Baumwollanbau, der in Umstellung Richtung BCI ist, aber noch nicht einmal die ohnehin geringen BCI-Richtlinien erfüllt.

Außerdem sollte es bei wirklich nachhaltiger Baumwolle natürlich auch um die Weiterverarbeitung gehen – also Spinnen, Weben, Nähen – und hier setzt IKEA leider keine Initiativen für Verbesserungen und mehr Arbeitssicherheit – wie auch die aktuelle Kampagne von Clean Clothes zu Ikea in Bangladesch zeigt: https://cleanclothes.org/news/2018/06/01/work-to-make-bangladeshi-factories-safe-continues-but-ikea-refuses-to-join

Wenn Ikea Nachhaltigkeit in diesem Bereich ernst nehmen würde, würde es Fairtrade oder/und biozertifizierte (z.B. GOTS)-Baumwolle verwenden und einer sozialen Überprüfungsinitiative beitreten wie z.B. Fair Wear Foundation.

Im Unterschied zu BCI ist der Global Organic Textile Standard (GOTS) 1. Bio und 2. gültig für die ganze Kette und nicht nur den Baumwollanbau.

Nähere Informationen zu BCI und den anderen auch glaubwürdigeren Siegeln im Siegel-Check von Clean Clothes: https://www.cleanclothes.at/media/filer_public/ea/09/ea09050f-64ae-4e89-a9cf-8d6028a96818/labelcheck_80x115mm_web-einzel.pdf"

Raphael Fink (Umweltzeichen): 

"Die Möbelbranche ist eine ressourcen- und energieintensive Branche. Auch die als Füllstoff und für Bezüge verwendete Baumwolle ist ein ökologisch und sozial mit großen Herausforderungen verbundener Rohstoff. Der Anbau von Baumwolle erfordert große Mengen Wasser und oftmals einen hohen Chemikalieneinsatz (Pflanzenschutz- und Düngemittel). In Kombination führt das in den Anbaugegenden oft zu Dürre, ausgelaugten Böden und Bodenerosion. Auch sind mit der Produktion oft soziale Probleme (Kinderarbeit, niedrige Löhne, Arbeitszeiten,…) verbunden.

Der Blick auf die Nachhaltigkeitsseiten heimischer Möbelhäuser zeigt allgemein, dass noch viel Luft nach oben besteht. Hier ist IKEA einen Schritt weiter: in seinem Nachhaltigkeitsbericht legt das Unternehmen ausführlich dar, welche Schritte in welchen Bereichen gesetzt werden. Sowohl im Kerngeschäft, der Möbelherstellung und des Möbelvertriebs, als auch im weiteren Umfeld (zum Beispiel im IKEA-Restaurant) und der vorgelagerten Lieferkette (wie z.B. im Bereich der Baumwolle). Das ist klar zu begrüßen.

Im Baumwollbereich hat IKEA einen eigenen Standard, den IWAY-Verhaltenskodex, für seine Baumwollproduzenten und -lieferanten entwickelt. Dieser formuliert Auflagen in Bezug auf Dokumentationspflichten, arbeitsrechtliche Bedingungen und Umweltaspekte. Bei Einhaltung dieser Kriterien kommuniziert IKEA, dass die Baumwolle aus nachhaltigeren Quellen stammt.

Das erscheint angemessen. Faktum ist aber auch, dass es sich bei der Baumwolle nicht um definitiv noch nachhaltigere biologisch erzeugte Fair Trade-Baumwolle handelt. Konkret handelt es sich bei der von IKEA eingeforderten Produktionsweise um sogenannte Integrierte Produktion. Anders ausgedrückt: optimierte konventionelle Landwirtschaft, ergänzt um soziale Anforderungen (die sich oft auf die Einhaltung gesetzlicher Mindeststandards beziehen). Das ist nicht nichts und konventioneller Baumwolle definitiv vorzuziehen.

Im Sinn einer langfristigen Strategie sollte IKEA als wichtiger Abnehmer von Baumwolle aber auch seine langfristige Verantwortung wahrnehmen. Daher sollte es Bestrebungen geben, die Branche noch umweltfreundlicher und sozial verträglicher zu gestalten, in Richtung ökologischer und fairer Landwirtschaft. IKEA hat in diesem Bereich einen wichtigen ersten Schritt gesetzt – weitere müssen aber folgen, damit tatsächlich ein breit angelegter Nachhaltigkeitswandel im Baumwollbereich erfolgen kann."

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