KONSUMENT.AT - Greenwashing - Beispiel: OMV

Greenwashing

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KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 31.01.2019

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Beispiel: OMV

"OMV wandelt Kunststoffmüll in Rohöl um", titelt eine Presseaussendung des österreichischen Öl- und Gasunternehmens OMV. Aus Altkunststoffen werde synthetisches Rohöl gewonnen, aus rund 100 Kilogramm Verpackungsmaterial 100 Liter Rohöl pro Stunde produziert.

Nunu Kaller (Greenpeace): "Ich halte das für den Inbegriff einer falschen Lösung. Mit viel Energie wird aus Rohöl Plastik gemacht, um dann mit genauso viel Energie wieder Öl draus zu machen. Chemisches Recycling von Rohstoffen und die Herstellung von Öl aus Plastik folgen demselben Prinzip. Wenn das Öl für Benzin verwendet wird, besteht wenig Unterschied zum Verbrennen von Plastik – dabei werden fossile Treibstoffe verbrannt. Und wenn das Öl dafür verwendet wird, mehr Plastik herzustellen oder andere chemische Prozesse in Gang zu bringen, handelt es sich um chemisches Recycling. Die Beschreibung, dass 'Kunststoffmüll in Rohöl umgewandelt' wird, ist irreführend, da im Prinzip der Herstellungprozess umgekehrt wird – heraus kommt dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Mixtur aus Zusatzstoffen und Schadstoffen."

Raphael Fink (Umweltzeichen):

"Das Kerngeschäft der OMV ist die Energiebereitstellung aus fossilen Energieträgern. Das ist per se kein nachhaltiger Sektor.
Daran ändert sich auch dann nichts, wenn Kunststoffabfall unter Energieeinsatz zu Rohöl geschmolzen wird. Weniger, weil dieses eventuell, unter weiterem Energieaufwand, erst wieder zu Diesel, Benzin, usw. raffiniert werden muss. Sondern weil wir uns damit weiterhin von Erdöl abhängig machen. Von dessen Einsatz und Verbrennung wir, um den Klimawandel aufzuhalten, unbedingt abkommen müssen.
Darüber hinaus lässt sich auch quantitativ zeigen, dass der Versuch, Kunststoffabfall zu Rohöl zu schmelzen, tendenziell in den Bereich Greenwashing fällt.

Laut Umweltbundesamt Österreich fallen in Österreich jährlich rund 0,9 Millionen Tonnen Kunststoffabfall an. 28 Prozent davon werden wiederverwertet, 71 Prozent verbrannt und 1 Prozent deponiert. Zur Wiederverwertung werden vor allem reine Kunststoffabfälle aufbereitet. Also stellt sich die Frage, ob die OMV in Konkurrenz zu den wiederaufbereitenden Betrieben tritt – oder zu jenen Unternehmen, die den Kunststoff zu thermischen Zwecken (z.B. Fernwärme) verbrennen.

Gesetzt den Fall, die OMV würde tatsächlich, wie behauptet, ein Drittel des österreichweiten Kunststoffabfalls (0,299 Millionen Tonnen) zu ReOil schmelzen, entspräche die so gewonnene Menge ReOil knapp unter 2,9 Prozent der jährlich von der OMV erzeugten Menge Erdöl. Ein bedenklich niedriger Prozentsatz, um von Nachhaltigkeit oder „green“ zu sprechen.

Kunststoffabfall muss an erster Stelle vor allem reduziert werden. An zweiter Stelle derart rezykliert werden, dass er wieder als Ausgangsmaterial dienen kann. Und erst zuletzt als Brennstoff dienen – da bei der Verbrennung klimaschädliche Treibhausgase freigesetzt werden.

Nachhaltiger wäre es, wenn die OMV auf erneuerbare Energien setzen würde - anstatt weiterhin fossile Brennstoffe und folglich deren Abhängigkeit zu forcieren. Ergänzend dazu sind auch zusätzliche Investitionen in Forschung, Entwicklung und Verbreitung von Speichermöglichkeiten überschüssiger erneuerbarer Energien – z.B. sogenannter Power-to-Gas-Technologien - dringend notwendig.

Und selbst wenn ReOil den ehrlichen Versuch der OMV darstellen sollte, herauszufinden, wie das Unternehmen in einer Nach-Erdöl-Welt bestehen könnte: Solange im Kerngeschäft weiterhin im großen Stil auf fossile Brennstoffe gesetzt wird, haben derlei Bestrebungen, vorerst nur einen Anschein: den des grünen Anstrichs einer ganz schmutzigen Branche."

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