KONSUMENT.AT - Greenwashing - Beispiel: OMV

Greenwashing

Alles Fassade

Seite 6 von 7

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 31.01.2019, aktualisiert: 12.03.2020

Inhalt

Beispiel: OMV

"OMV wandelt Kunststoffmüll in Rohöl um", titelt eine Presseaussendung des österreichischen Öl- und Gasunternehmens OMV. Aus Altkunststoffen werde synthetisches Rohöl gewonnen, aus rund 100 Kilogramm Verpackungsmaterial 100 Liter Rohöl pro Stunde produziert.

Nunu Kaller (Greenpeace): "Ich halte das für den Inbegriff einer falschen Lösung. Mit viel Energie wird aus Rohöl Plastik gemacht, um dann mit genauso viel Energie wieder Öl draus zu machen. Chemisches Recycling von Rohstoffen und die Herstellung von Öl aus Plastik folgen demselben Prinzip. Wenn das Öl für Benzin verwendet wird, besteht wenig Unterschied zum Verbrennen von Plastik – dabei werden fossile Treibstoffe verbrannt. Und wenn das Öl dafür verwendet wird, mehr Plastik herzustellen oder andere chemische Prozesse in Gang zu bringen, handelt es sich um chemisches Recycling. Die Beschreibung, dass 'Kunststoffmüll in Rohöl umgewandelt' wird, ist irreführend, da im Prinzip der Herstellungprozess umgekehrt wird – heraus kommt dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Mixtur aus Zusatzstoffen und Schadstoffen."

Raphael Fink (Umweltzeichen):

"Das Kerngeschäft der OMV ist die Energiebereitstellung aus fossilen Energieträgern. Das ist per se kein nachhaltiger Sektor.
Daran ändert sich auch dann nichts, wenn Kunststoffabfall unter Energieeinsatz zu Rohöl geschmolzen wird. Weniger, weil dieses eventuell, unter weiterem Energieaufwand, erst wieder zu Diesel, Benzin, usw. raffiniert werden muss. Sondern weil wir uns damit weiterhin von Erdöl abhängig machen. Von dessen Einsatz und Verbrennung wir, um den Klimawandel aufzuhalten, unbedingt abkommen müssen.
Darüber hinaus lässt sich auch quantitativ zeigen, dass der Versuch, Kunststoffabfall zu Rohöl zu schmelzen, tendenziell in den Bereich Greenwashing fällt.

Laut Umweltbundesamt Österreich fallen in Österreich jährlich rund 0,9 Millionen Tonnen Kunststoffabfall an. 28 Prozent davon werden wiederverwertet, 71 Prozent verbrannt und 1 Prozent deponiert. Zur Wiederverwertung werden vor allem reine Kunststoffabfälle aufbereitet. Also stellt sich die Frage, ob die OMV in Konkurrenz zu den wiederaufbereitenden Betrieben tritt – oder zu jenen Unternehmen, die den Kunststoff zu thermischen Zwecken (z.B. Fernwärme) verbrennen.

Gesetzt den Fall, die OMV würde tatsächlich, wie behauptet, ein Drittel des österreichweiten Kunststoffabfalls (0,299 Millionen Tonnen) zu ReOil schmelzen, entspräche die so gewonnene Menge ReOil knapp unter 2,9 Prozent der jährlich von der OMV erzeugten Menge Erdöl. Ein bedenklich niedriger Prozentsatz, um von Nachhaltigkeit oder „green“ zu sprechen.

Kunststoffabfall muss an erster Stelle vor allem reduziert werden. An zweiter Stelle derart rezykliert werden, dass er wieder als Ausgangsmaterial dienen kann. Und erst zuletzt als Brennstoff dienen – da bei der Verbrennung klimaschädliche Treibhausgase freigesetzt werden.

Nachhaltiger wäre es, wenn die OMV auf erneuerbare Energien setzen würde - anstatt weiterhin fossile Brennstoffe und folglich deren Abhängigkeit zu forcieren. Ergänzend dazu sind auch zusätzliche Investitionen in Forschung, Entwicklung und Verbreitung von Speichermöglichkeiten überschüssiger erneuerbarer Energien – z.B. sogenannter Power-to-Gas-Technologien - dringend notwendig.

Und selbst wenn ReOil den ehrlichen Versuch der OMV darstellen sollte, herauszufinden, wie das Unternehmen in einer Nach-Erdöl-Welt bestehen könnte: Solange im Kerngeschäft weiterhin im großen Stil auf fossile Brennstoffe gesetzt wird, haben derlei Bestrebungen, vorerst nur einen Anschein: den des grünen Anstrichs einer ganz schmutzigen Branche."

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
12 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Bitte mehr Objektivität
    von RiSi am 11.10.2020 um 22:27
    Gleich zu Beginn des Newsletter, der mich mittels Link auf diese Seite gebracht hat, werden unter anderem "Erdöl-Konzerne, die mit Windkraft werben" als Beispiel für Greenwashing genannt. Natürlich kommt es auf den jeweiligen Fall an, aber ich frage mich, was daran generell negativ sein soll. Da wird seit langem (zu Recht) gefordert, dass sich solche Unternehmen verändern und in Richtung erneuerbare Energien wandeln sollen. Wenn sie es dann tun, wirft man es ihnen vor!? Dass eine Firma mit neuen Geschäftsfeldern auch wirbt, kann aus meiner Sicht nicht zum Vorwurf gemacht werden. Was wird denn erwartet? Dass über solche (Fort-)Schritte kein Wort verloren wird? Entscheidend ist, dass es nicht ein "Einzelfall" ist, sondern tatsächlich und konsequent die Weichen in Richtung CO2-freie Zukunft gelegt werden. Und da gibt es erfreulicherweise viele Unternehmen in der Erdöl- und Energiebranche, die diesen Weg eingeschlagen haben.

    Zweites Beispiel im erwähnten Newslettter sind "Fluglinien, die CO2-neutrale Flüge versprechen". Das wird mit sogenanntem "Offsetting" realisiert,also den Ausgleich der entstandenen Emissionen durch Investionen in Projekte, durch die eine entsprechende Kohlendioxideinsparung finanziert wird. Wenn das richtig gemacht wird (und namhafte Fluglinien arbeiten meiner Einschätzung nach mit seriösen Partnern zusammen), ist das allemal besser, als so eine Option nicht zu wählen. Noch besser wäre natürlich gar nicht zu fliegen, aber in vielen Fällen ist das Flugzeug wohl die einzige realistische Option um an ein Ziel zu gelangen (nicht jeder kann mit dem Segelschiff den Antlantik überqueren). Offsetting mit den richtigen (also sorgsam ausgewählten und umgesetzten) Projekten vermeidet übrigens nicht nur zusätzliche Treibhausgase, sondern bringen auch positive Effekte bei der Bekämpfung von Armut und anderen UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (durch Studien belegt).

    Ich würde mir eine differenziertere Betrachtung durch den VKI wünschen (z.B. durch Verweis auf das Thema in Heft 4/2020) und nicht solche Angebote pauschal als Greenwashing zu verurteilen.

    Beste Grüße
    (ein jahrzehntelanger und großteils zufriedener Abonnent)
  • wo ist der Expertentalk auf den ich mich gefreut habe?
    von sylphe9 am 11.10.2020 um 18:09
    Ich frage mich, warum im Newsletter Mail ("Umweltzeichen als Barriere gegen Greenwashing") und auch in der Einleitung hier vollmundig von einem Gespräch mit Experten geschrieben wird und es sich dann letztendlich doch nur um eine Ansammlung von Punkten nach einer nicht näher erklärten Organisation handelt.
    Ebenso fehlt die Heranführung des Laien an das Thema. Woher soll der Konsument nach diesem Artikel nun wissen was kein Greenwashing ist? Das Bsp mit den Plastikflaschen war ja sehr gut, aber es fehlt ein ebensolches für Firmen die ihre ökologischen Auswirkungen ernstnehmen. Z.B. Wenn eine kärtnerische Eistee produzierende österreichische Firma wie Makava auf Glasflaschen setzt und in Österreich produziert spricht man zurecht von ökolgisch (Glasflaschen und regional produziert).
    Ebenso ist die Auflistung der Punkte doch ein wenig zu wenig um jeden Konsumenten in dem Bereich wirklich auf einen guten Wissensstand zu bringen.

    Lieber VKI das könnt ihr Besser und das habt ihr schon so oft bewiesen, denn sonst seids ihr total spitze!
    Ich bitte also auch bei dem Thema Nachhaltigkeit um eure gewohnte Qualität.

    Hochachtungsvoll,
    eine langjährige Abonnentin